Besuch der Oberbürgermeisterin Katharina Pötter
Erschienen in der Hasepost, 13. Januar 2025:
Das Churer- Modell- was ist das?
Besuch der Oberbürgermeisterin Frau Pötter in der Waldschule Lüstringen
Die Waldschule Lüstringen arbeitet seit dem Schuljahr 2022/23 mit dem Churer Modell, welches in der der Schweiz in mehr als 50% der Volkschulen angewendet wird (Quelle: Churermodell – Individuelle Förderung im Schulalltag). In ganz Niedersachsen ist die Waldschule eine von zwei Schulen, die nach diesem Lernmodell durchgängig unterrichtet. Dies nahm die Oberbürgermeisterin Frau Pötter zum Anlass sich ein Bild der Waldschule Lüstringen zu machen.
Zu Beginn des Besuches konnte sich Frau Pötter in einem 4. Jahrgang einen Eindruck über die Umsetzung des Churer Modells verschaffen. Derzeit arbeiten der 1-3. Jahrgang im Churer Modell. Ein Klasse des vierten Jahrgangs hat das Modell bereits zu Beginn des Schuljahres 2024/25 freiwillig übernommen, die anderen beiden werden im neuen Schuljahr abstimmungsgemäß folgen.
Die Kinder arbeiten an einem selbstgestalteten Skript zum Thema Wahrscheinlichkeitsrechnung. Einige Kinder arbeiten an Bänken, andere sitzen am Tisch und ein paar weitere Kinder arbeiten im Stehen. Die Kinder sind in Bewegung, helfen sich gegenseitig und unterstützen sich. Außenstehende könnten vermuten es würde ein Chaos herrschen aber es ist eine ganz normale Arbeitsatmosphäre. Zu Schulbeginn werden jeden Morgen in allen Jahrgängen 10 Minuten Bewegungsübungen durchgeführt. Diese sind Teil des INPP-Programms (Institut für Neuro-Physiologische Psychologie). Auch dieses Programm hat die dir Rektorin Frau Vortkamp neben dem Churer Modell neu an der Waldschule implementiert. Die Übungen dienen dazu die Motorik aufzubauen und frühkindliche Reflexe abzubauen. Zudem fördern sie die Konzentration der Kinder und ähneln etwas dem Kinder-Yoga. Laut Frau Vortkamp ist es für die Kinder ein zweites Ankommen in der Schule. Seit Dezember 2024 ist die Waldschule Lüstringen INPP zertifiziert.
Am Unterrichtsanfang sitzen die Kinder mit der Lehrkraft zusammen im Stuhlkreis und besprechen gemeinsam die zu erledigenden Aufgaben. Im Anschluss bearbeiten die Schüler/innen ihre Aufgaben sehr individuell. Bei dieser Form des Unterrichtsmodell gelingt es den Lehrkräften viel häufiger, sich auch individuell einem Schüler/in zu widmen.
Das Lernkonzept des Churer Modells bedeutet für die Lehrer:innen zunächst eine aufwendigere Unterrichtsvorbereitung, die sich allerdings in vielen Bereich positiv auf die Arbeit mit den Schülern/innen sowie im Kollegium untereinander auswirkt. Die Kolleg:innen tauschen sich wieder über den Kern ihrer Arbeit, das WIE des Lehrens und Lernens aus. Sie arbeiten verstärkter im Team. Aber nicht nur die Kolleg:innen profitieren vom Austausch untereinander, sondern auch die Schüler:innen in der abschließenden Reflektion nach der Lernphase, die in der Regel wieder im Sitzkreis erfolgt. Ein entscheidender positiver Aspekt des Sitzkreises ist, dass Kinder sich gegenseitig anschauen können, die soziale Interaktion wird auf diese Weise gefördert.
Frau Pötter war bei dem Besuch sehr positiv überrascht, wie ruhig die Schüler:innen auch in Anwesenheit fremder Personen gearbeitet haben und wie viel Interaktion zwischen den Schülern stattgefunden hat und „trotzdem“ gelernt wurde.
Für die Umsetzung des Churer Modells ist es allerdings erforderlich, dass es ausreichend qualifiziertes Personal gibt sowohl im Vormittags- als auch im Nachmittagsbereich des Ganztages. Derzeit ist dies im Nachmittagsbereich nur schwer umsetzbar aufgrund von vielen Mini-jobbern, die nur einige Stunden im Ganztag eingesetzt werden. Auch im Vormittagsbereich ist die Unterrichtsversorgung ausbaubedürftig. Desweitern fehlen im Moment die baulichen Voraussetzungen, um einen Raum für oben beschreibenen Austausch und einen Austausch für das gesamte Team der Waldschule (Kollegin:innen und Ganztag sowie weitere betreuende Kräfte) zu schaffen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt für die Umsetzung des Churer Modell ist die räumliche Gestaltung der Klassenzimmer. Die klassische Sitzordnung sucht man hier vergebens. Die Schüler:innen lernen wie bereits erwähnt in Einzelarbeit oder Teams zusammen. Der Sitzkreis ist das zentrale Element im Klassenraum.
Auf die Frage seitens Frau Pötter, wie die Eltern die Umsetzung des Churer Modells gesehen haben, gab Frau Vortkamp sowie die anwesenden Vertreterinnen des Schulelternrats und des Schulvorstandes Frau Treschnak und Frau Yildiz ein positives Feedback. „Natürlich waren wir am Anfang sehr skeptisch gegenüber dem Churer Modell, gerade in Hinblick auf die weiterführenden Schulen. Allerdings sind wir positiv überrascht, wie gut sich unsere Kinder organisieren und selbstständig lernen können. Uns hat das Churer Modell vollkommen überzeugt!“
Zum Abschluss des Besuches hat Frau Pötter sich den Unterricht im 2. Jahrgang angesehen, die bereits seit Beginn ihrer Schulzeit im Churer Modell arbeiten. Ganz still ist es in der Klasse von Frau Wilker nicht. Ein Junge sitzt vor der Sitzbank und arbeitet an seinen Aufgaben. Sein Mitschüler kommt auf ihn zu und bittet um Hilfe bei den Aufgaben. Gemeinsam finden sie eine Lösung. Im Anschluss beschließen sie erst einmal eine kreative Denkpause einzulegen, bevor sie sich ihren weiteren Aufgaben widmen. Währenddessen arbeiten in der Ecke zwei Mädchen gemeinsam an den Aufgaben und Frau Wilker kann sich parallel einem weiteren Schüler zuwenden, der einen intensiveren Erklärungsbedarf hat. Eine weitere Schülerin arbeitet am Einzelplatz. Sie benötigt aufgrund einer sprachlichen Barriere etwas mehr Zeit und Ruhe, um die Aufgaben zu lösen. Auf diese Weise ist ein individuelles Lernen möglich.
In diesem Zusammenhang darf abschließend das Zitat von Herr Prof. Dr. Werning- Professor für Inklusion an der Leibniz- Universität Hannover, angebracht werden:
Politik muss deshalb verstehen, wie wichtig es ist, verschiedenen Kindern auf unterschiedliche Weise dasselbe und denselben Schüler:innen auf unterschiedliche Weise Dinge beizubringen.
Fotoserien
Oberbürgermeisterin (DI, 07. Januar 2025)




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